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Touristik
Information
Zur
Stadtgeschichte / The History of the town
Schon seit Anfang
des vergangenen Jahrhunderts ein Anziehungspunkt der
englischen und deutschen Romantiker, ist Rüdesheim
heute - gemessen an seiner Einwohnerzahl - einer der
Orte mit den meisten Besuchern in Deutschland. Historische
Bauten wie der Klunkhartshof, der ehrhafte Adlerturm,
die tausendjährige Brömserburg, die Boosenburg und
die Burgruine Ehrenfels erfreuen Augen und Sinne.
Wer Ruhe sucht, der findet sie: in den ausgedehnten Wäldern des Naturparks "Rhein-Taunus",
in den kleinen versteckten Gässchen oder in der Weitläufigkeit der Weinberge.
Von den Aussichtspunkten des Niederwaldes aus eröffnen sich dem Betrachter
grandiose Ausblicke auf das enge Rheintal, die Nahemündung und die weite
Weinlandschaftdes Rheingaues.
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Since the beginning of
the last century Rüdesheim has been an attraction for
English and German poets alike, and is today - considering
the modest number of residents- one of the most visited
towns in the country. Historical landmarks, such as the
Klunkhardshof, the fortifiedAdler Tower, the thousand-year
old Brömser castle and the ruins of Ehrenfels Castle
invite you to linger.
Those seeking peace an tranquility will find it in the extensive forests
of the nature park "Rhein-Taunus"; in the spaciousness
of the vineyards, or in the half hidden alleyways of the town. From the
vantage points of the Niederwald, the visitor can also enjoy brethtaking
views of the narrow Rhine valley, with the Nahe estuary and the beautiful
uniformity of the steep vineyards. |
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Die
ersten Rüdesheimer
lebten vor rund 2.500 Jahren als seßhafte Bauern auf
verstreuten Einzelgehöften, trieben Viehzucht und pflanzten
Getreide an. Sie kleideten sich mit selbstgewirkten
Stoffen, die mit Gewandnadeln zusammengehalten wurden,
schmückten sich mit schönen Hals- und Armringen aus
Bronze und fertigten noch ohne Töpferscheibe irdenes
Geschirr, das mit einfachen Ornamenten verziert war.
Dies wissen wir heute so genau, da aus jener Zeit
noch weit über hundert
Grabhügel erhalten sind. Darin sind die Gebeine und vergängliches Material
wie Stoff, Leder und Holz längst vermodert, doch Bronzegerät, Keramik und
Steinwerkzeug blieben erhalten und sind in den Museen in Rüdesheim und
Wiesbaden zu sehen. Solche Grabhügel, die dicht bei den alten Siedlungen
lagen, gab es einst nicht nur im Wald, sondern auch an den Südhängen
bis hinab zum Rheinufer; doch wurden sie dort durch die tiefgehenden
Weinbergsrodungen
verwischt, und nur bei Bauarbeiten werden ab und zu solche alten Bestattungen
freigelegt.
Die frühen Rüdesheimer waren offenbar germanischer Herkunft, doch wissen
wir nicht mehr, wie sie sich nannten. Die Historiker bezeichnen sie als
Bandkeramiker oder Ubier und Mattiaker doch bleiben diese Begriffe nur
Vermutungen
(Bei den Mattiakern handelt es sich um einen germanischen Stamm, möglicherweise um einen Teilstamm der Chatten (Namensgeber des Landes „Hessen“) .
„Die Mattiaker waren ein von Chatten abgespaltener germanischer Stamm um „ Aquae Mattiacae “ („Mattiakische Wasser“, das heutige Wiesbaden).“ (auch im Netz unter:
http://www.beepworld.de/members79/kastel-kostheim/kastel-geschichte.htm )
Die Ubier waren ebenfalls ein germanischer Teilstamm. Neueste Forschungsergebnisse zeugen von einer übernommenen keltischen Kultur, unter anderem beeinflußt durch die Römer. Die Ubier wurden durch die Römer an die Rheingrenze umgesiedelt. Ihrer ethnischen Zugehörigkeit tut dies keinen Abbruch.
„ Ubier , lateinisch Ubii , ein germanischer Stamm, der sich früh unter römischen Schutz gestellt hatte; die Ubier besaßen eine zentrale Kultstätte am Rhein: > Köln.“ (auch im Netz unter: http://www.lateinforum.de/thesauru/WdAntike/U/ubier.htm )
Kurz vor der Zeitwende wurden diese Menschen durch ungebetenen
Besuch gestört: die Römer erschienen am Rhein. Offenbar fühlten sich diese
hier so wohl, daß sie schließlich mehr als 400 Jahre blieben. Während dieser
langen Zeit gewöhnten sich die Ur-Rüdesheimer an die Gäste. Sie besuchten
staunend die Römerstädte am linken Rheinufer trieben dort Handel und traten
in römische Dienste. Dabei konnten sie allerlei von den Römern lernen:
den Bau fester Steinhäuser und wendiger Schiffe, vor allem aber die systematische
Kultur der Weinrebe. In und um Rüdesheim gab es einige römische Landgüter
welche die Truppen mit Wein versorgten. Münzen, Terra-sigillata-Geschirr,
sogar Reste eines Mosaikfußbodens zeugen hiervon. Wichtigster Fund ist
aber ein römisches Rebschnittmesser, das um 1900 in der Nähe der Niederburg
gefunden wurde und beweist, daß hier schon vor 2000 Jahren Weinbau betrieben
wurde, der bis heute die wirtschaftliche Grundlage Rüdesheims blieb.
Im 3.-4. Jahrhundert
wanderten allmählich Franken vom Niederrhein in
den Rheingau ein, die in der römischen Verwaltung
genug Erfahrungen sammelten, um nach dem Ende der
römischen Ära im 5. Jahrhundert die Führung zu übernehmen
und mit dem merowingischen Reich ein gut geordnetes
Staatswesen aufzubauen. Spätestens seit dem 8.
Jahrhundert wurde der Rheingau zu einem eigenen
Verwaltungsbezirk, der von den Rheingrafen als
fränkische Gaugrafen geführt wurde. Vermutlich
haben diese damals in Rüdesheim die Niederburg
als Amtssitz eingerichtet, in dem Angehörige ihrer
Sippe über Generationen hinweg als Beamte (Ministerialien)
tätig waren. Diese Familie nannte sich schließlich "die
Edlen von Rüdesheim" und wurde zum Ursprung
eines weitverzweigten Ortsadels.
Aber auch der geistige Adel, die Erzbischöfe von Mainz suchten im Rheingau
als einem wohlhabenden und weingesegneten Landstrich Fuß zu fassen. Durch
Schenkungen und Kauf wurden sie hier zu Großgrundbesitzern und gewannen
so wachsenden politischen Einfluß, für den die berühmte Veroneser Schenkungsurkunde
von 983 nur einer von vielen Schritten war. Die Rheingrafen als Vertreter
königlicher Macht verloren mehr und mehr ihre Befugnisse, wurden 1279
endgültig aus dem Rheingau verdrängt und an ihrer Stelle trat der "Vicedom" als
Repräsentant des Mainzer Stuhls. Der Rüdesheimer Adel wurde in Mainzer
Dienste übernommen und der Erzbischof siegelte während des 12. Jahrhunderts
mehrere Urkunden in seinem Rüdesheimer Amtssitz, die Niederburg.
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1693 The
Niederwald was bought by Countt Ostein. He subsequently
built the castle (now Jagdschloss Niederwald) and transformed
the Niederwald into a fantastic spacious park area
- including the view points "Temple, Eremitage,
Rossel, Rittersaal and Zauberhoehle". He opened
this all to the public aud subsequently laid the foundation
for one of the main attractions for tourists all over
the world.
From the middle of the
18 hundreds famous people visited the Niederwald,
even Goethe (firstly in 1793), Clemens von Brentano,
and Achim von Arnim. From their inspired stories
the Rhine romantic experienced at the beginning of
the 19 hundreds a large boom. Various visitors also
arrived from foreign countries, so for instance in
1788 Thomas Jefferson. The third president of the
USA travelled via Mainz and Johannisberg to Ruedesheim.
After a lengthy wine tasting he proclaimed the "Ruedesheimer
Hinterhaus" to be his favourite vineyard area.
Also the father of "Lederstrumpf", the
writer James F. Cooper, visited Ruedesheim during
his trip to Germany in 1832, where he also proclaimend "Ruedesheimer
Hinterhaus" to be his favourite.
1813 Michael Dominikus Meurer
opened the first guest house in the Drosselgasse, named DROSSELMUELLER.
1825 the Rheinstrasse was build
and the first steamer came from Cologne via the Binger bend.
1837 The Duesseldorfer Rhine
steamer took up regular service on the Rhine and docked in
Ruedesheim.
1843 Boat trips were available
everyday from Strassbourg and everyday from London except
Mondays. Thomas Cook was the first Travel Agency to book
into Ruedesheim.
1866 There were too many wine
drinking places in Ruedesheim. Therefore it was decided by
the community council that only nine winegrowers would be
allowed to serve.
1868 A police order was given
to tourist guides for renting wagons, horses and donkeys.
By this time the famous Niederwald could be reached by coach
with a regular timetable.
1870 At this early date Ruedesheim
was known as the "Pearl of the Rheingau region" and
it was the main tourist attraction. In the high season up
to 100 people arrived everyday by ship.
1871 the Wiesbadener spa director
Ferdinand Heyl proclaimed the Niederwald to be one of the
most wonderful view points in Germany and suggested to build
the Germania statue there.
1873 it was finally decided
that the Niederwald would be the place for the statue. Until
the laying of the foundation in 1877 the roads were build
and plastered in Ruedesheim.
1878 in order to avoid confusion
with Ruedesheim on the Nahe - the cityname "RUEDESHEIM
AM RHEIN" was decided upon.
1883 the Niederwald monument
had its inauguration.
1884 the first cable car goes
up to the Niederwald.
1885 the work is taken up for
a second cable-car from Assmannshausen to the Niederwald
monument. At that time 'Mass tourism" began to Ruedesheim
am Rhein.
1904 the tourist association
was formed. It had then 118 members, today it has 319. Already
speedboat from the Koeln-Duesseldorfer shipping compmy travelled
on the Rhine, it was advertised in Germany and foreign newspapers,
it was negotiated with the railways to connect special trains
with Ruedesheim, but also complained because of the impossible
health damaging fumes which the steam trains released when
passing .
1906 There were two tourist
associations between Mainz md Cologne - one in Koenigswinter
and the other in Ruedesheim.
1927 the first tourist office
and youth hostel opened.
From 1930 there were three guesthouses.
It was during this time that many of the famous Rhine songs
became popular.
1932 Ruedesheim celebrated it's
first wine festival..........
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Von
dem lebhaften Warenverkehr auf dem Rhein erhob Mainz
in
Rüdesheim einen eigenen Zoll, der so einträglich war,
daß sich um 1220 der Bau einer Zollburg Ehrenfels oberhalb
des Binger Loches lohnte. Durch diese neue Landesburg
wurde die Niederburg entbehrlich und ging als freier
Besitz (Allod) an die Herren von Rüdesheim über.
Allerdings
wurde wegen einer unglücklichen politischen Unternehmung
die Burg schon 1279 wieder zu Landesbesitz erklärt
aber den Rüdesheimer Adligen weiter als Lehen überlassen
mit der Auflage, die Burg ständig in einem wehrfähigen
Zustand zu erhalten. Häufige kriegerische Überfalle
waren der Anlaß, die Burg noch bis zum Beginn des
14. Jahrhunderts zum heutigen Umfang auszubauen.
Dieser mächtige
Steinquader mußte damals, als die Rheinstraße noch
5 Meter tiefer lag, inmitten der niedrigen Fachwerkhütten
noch eindrucksvoller ausgesehen haben und war der wehrhafte
Kern einer weitläufigen Burganlage, die sich mit Gesindehäusern,
Scheuern, Ställen und Gärten einem Hospital und einer
St. Nikolauskapelle vom Bienengarten (der nichts mit
den fleißigen Honigsammlern zu tun hatte. sondern "binnen
der Burgmauern" lag) bis hin zur Amselgasse
erstreckte.
Im 13. Jahrhundert gingen Teile dieses Areals in
andere Hände über: als Schenkungen an die Klöster Eberbach,
Marienhausen und das Mainzer St. Victors-Stift, durch
Kauf und Erbschaft an andere Adelsgeschlechter wie
die Stoltz von Bickelheim und die Ritter von Groenesteyn:
an die örtliche Landesvertretung als Zehnthof in der
Steingasse, vor allem aber an den Rüdesheimer Ortsadel,
dessen Familienzweige hier ihren eigenen Burgsitz erbauten:
die Oberburg für die "Füchse von Rüdesheim" und
als ehemals fränkisches Herrenhaus der Brömserhof an
die "Brömser von Rüdesheim".
Ein weiterer Adelssitz, die Vorderburg nahm mit ihrem
weiten Mauerring die ganze Westseite des Marktplatzes
ein, und man kann annehmen, daß diese schon gleichzeitig
mit dem bürgerlichen Rüdesheim entstanden ist. Der Kern der bürgerlichen Altstadt
ist nördlich des Marktplatzes zu suchen, wo der romanische Turm der Stadtpfarrkirche
St. Jacobus als Schutz diente.
Der Name Rüdesheim ( in alten Urkunden abgewandelt in Ruodinesheim, Rodenesheim,
Rothesheim usw ) läßt sich nicht schlüssig deuten. Vermutungen, daß es sich nach
fränkischer Manier um das "Heim des Ruodi" gehandelt habe, sind allzu
naiv, denn da hier bereits jungsteinzeitliche Siedler lebten, wird es wohl kaum
einen Rudi gegeben haben, der den ersten Stein zur Stadt legte. Urkundlich wird
Rüdesheim erstmals 1074 erwähnt und es ist bezeichnend, daß sich diese Urkunde
auf den Weinbau bezieht. Ausgesprochenen Großgrundbesitz gab es damals noch nicht,
sondern nahezu jeder Bürger ob Kaufmann, Handwerker, Wirt oder Tagelöhner bewirtschaftete
durch Kauf oder Pacht ein paar Weinberge und beteiligte sich so an dem Lotteriespiel
von großen und schlechten Weinjahren.
Die beste Weinbergslage, der steile Rüdesheimer
Berg zwischen der Stadt und Burg Ehrenfels war in Hunderten von kleinen Parzellen
mit Riesling- und Orleansreben bepflanzt und bis ins 19. Jahrhundert nur auf
schmalen Pfaden erreichbar. Von dem Rüdesheimer Weinsegen sicherte sich die Landesobrigkeit
ihren Anteil durch den Zehnten, eine Naturalsteuer die den zehnten Teil aus jeder
Traubenbütte beanspruchte. Nur die adligen Weinberge blieben zehntfrei. Die Rüdesheimer
Weinernte wurde einst binnen Jahresfrist auf einem eigenen Weinmarkt verkauft.
Zwischen einem guten Dutzend angereister Kaufleute und dem Gemeinderat wurde
ein einheitlicher Preis ausgehandelt, zudem die guten wie die schlechten Weinfässer
verkauft und von der Schröterzunft an die Schiffe am Rhein verladen wurden. So
ging der Rüdesheimer Wein in weite Teile Europas und wurde wegen seiner Kraft
und Güte gelobt.
Kein Wunder, daß Rüdesheim mit seinen reichen Weinkellern immer wieder das Ziel
kriegerischer Überfälle war und arg verwüstet wurde (z. B. 1242, 1301 und 1318).
Selbst die alte romanische Jacobuskirche blieb nicht verschont, sodaß 1390 die
Ritter Brömser als Inhaber des Kirchenzehnten neben dem alten Kirchturm Langhaus
und Chor neu erbauen mußten. Die Turmspitze zieren statt des üblichen Gockelhahns
Halbmond und Stern. Eine fromme Legende bringt diese ungewöhnlichen Embleme in
Zusammenhang mit einem Kreuzzug ins heilige Land, bei dem ein Ritter Brömser
in heidnischer Gefangenschaft die Stiftung der Kirchen in Rüdesheim, Nothgottes
und Bornhofen gelobt habe, eine rührende, aber historisch nicht belegte Geschichte.
Die soziale Rolle der Adligen wird immer wieder überschätzt. Einige Angehörige
des Rüdesheimer Ortsadels waren zwar als Vicedome oder in anderen hohen Rängen
tätig, sie genossen auch einige steuerliche Vergünstigungen, doch war ihr Vermögen
in Rüdesheim nicht unermeßlich und durch Heiratsmitgiften weit außerhalb des
Rheingaues verstreut. In Gemeindesachen waren ihnen die Bürger mit Schultheiß und
einem Ehrbaren Rat, mit einem eigenen Schöffengericht und dem Haingericht zur
genossenschaftlichen Verwaltung von Wald und Flur ebenbürtig. Und aus bürgerlichen
Kreisen gingen nicht minder bedeutende Leute hervor, wie es der adlige Rudolf
von Rüdesheim als Bischof von Breslau und Lavant (1400-1482) war - mehrere Äbte
von Eberbach und Maria Laach entstammten aus Rüdesheimer Patrizierfamilien und
der Rüdesheimer Jacob Fidelis Ackermann (1765-1815) war eine wissenschaftliche
Berühmtheit an der Universität Heidelberg. Hoch und nieder hielten sich also
die Waage.
Das 15. und 16. Jahrhundert blieben weitgehend von Kriegsläuften verschont und
brachten für Rüdesheim einigen Wohlstand. Die Ringmauer als Stadtbefestigung
wurde von der Löhrstraße bis zur Steingasse erweitert und durch mehrere Türme
verstärkt, von denen nur der Adlerturm als ehemaliger Pulverturm erhalten blieb.
In einer Zeit allgemeiner Trinkfreudigkeit blühte der Weinmarkt und am Rhein
hatte ein neuer Weinkran viel zu tun. Schiffsmühlen mahlten nicht nur Korn,
sondern auch andere technische Rohstoffe und der Rhein war von vielen Schiffen
belebt.
Für den wachsenden Verkehr hatte Rüdesheim eine besondere Bedeutung, denn hier
endete die Landstraße und aller Verkehr rheinabwärts mußte auf Schiffe umsteigen,
da es noch keine Rheinuferstraße nach Assmannshausen und Lorch gab. Deshalb fanden
zahlreiche Rüdesheimer Schiffer ein gutes Auskommen als Fracht- und Fährschiffer,
als Lotsen und Flossteuerleute. Viele Reisende machten in Rüdesheim Station,
um ein geeignetes Schiff abzuwarten. So gab es auch schon eine ganze Reihe behäbiger
Gasthöfe.
Das Binger Loch war zwar ein gefährliches Hindernis für die Schiffahrt, aber
keineswegs so unüberwindbar, daß alle Güter hätten auf dem Landweg das Riff umgehen
müssen. Den angeblichen "Kaufmannsweg" über die Höhen zwischen Rüdesheim
und Lorch, über den schwerbeladene Fuhrwerke gerumpelt seien, hat es nie gegeben;
nein, der Rhein war einst weit belebter mit Nachen und klobigen Oberländer-Kähnen
als heute und die Register der Zollburg Ehrenfels überraschen, welche Mengen
an Gütern das Binger Loch passierten.
Die Reformation und soziale Spannungen führten zu den Auseinandersetzungen des
Bauernkrieges 1525. Auch die Rüdesheimer und Eibinger waren maßgeblich daran
beteiligt. Doch die Rheingauer verhielten sich besonnen, unterließen alle Gewalttaten
und legten dem Mainzer Landesherren eine Liste von durchaus berechtigten Forderungen
vor. Mainz zeigte sich auch einsichtig und verhandlungsbereit, bis von außen
her der Schwäbische Bund mit Gewaltandrohung eingriff. Leider hat die geschichtliche Überlieferung
aus dieser Tragödie, die neben Todesurteilen auch den Verlust der alten Rheingauer
Freiheit bedeutete, eine Farce gemacht.
Mit dem 30jährigen Krieg setzte auch für Rüdesheim eine schwere Zeit ein, denn
die Kriegswirren gingen hier nicht nach 30 Jahren zu Ende, sondern setzten sich
in den Erbfolgekriegen bis hin zum Freiheitskrieg 1815 fast ununterbrochen fort.
Die Stadt wurde so verwüstet, daß 1686 der Mainzer Landesherr die Bürger durch
Vergünstigungen zum Wiederautbau ermutigen mußte. Keller und Scheuern waren leer,
durch Geiselnahme und Waffengewalt erpreßte die Soldateska aus aller Herren Länder
immer neue Kontributionen, bis die Rüdesheimer verschuldet und mutlos waren.
Wenn auch die Pest Rüdesheim ziemlich verschonte, so wurden doch viele Güter
herrenlos und konnten während des 18. Jahrhunderts von fremden Leuten, die als "Forensen" sich
nicht an den bürgerlichen Abgaben beteiligten, für einen Spottpreis erworben
werden.
Hinzu kam die Schwäche der Mainzer Landesregierung, die durch die Besetzungen
von Mainz oftmals im Exil weilte und zunehmend handlungsunfähig wurde. Statt
wirksame Maßnahmen zur Verbesserung des Gesundheits- und Schulwesens zu treffen,
erschöpfte sie sich in der Einführung eines neuen Kirchengesangbuches, was schließlich
1787 die Rüdesheimer zum offenen Aufruhr reizte, dem heftigen "Gesangbuchkrawall".
Mit unverhältnismäßigen Mitteln und aufgefahrenen Kanonen wurden die Aufständischen
unterdrückt. Umso größer waren die Hoffnungen, welche die Rüdesheimer 1806 in
die neue Zeit setzten, als nach über 900 Jahren die Mainzer Herrschaft endete
und der Rheingau an das neugeschaffene Herzogtum Nassau überging. Ringmauer und
Stadttürme wurden verkauft und teilweise abgebrochen, auch das alte Hirtenhaus
hatte ausgedient (die Burgen waren schon 1689 zu Ruinen zerstört worden).
Rüdesheim wurde Metropole eines eigenen Amtes, das zeitweise bis Braubach reichte.
1818 erhielt es stillschweigend den Status einer Stadt (Rüdesheim hatte schon
lange zuvor als "Flecken" eine städtische Verfassung). Dennoch waren
die alten Sorgen noch nicht weggewischt. 1820 hatte Rüdesheim noch mehrere Tausend
Gulden Kriegsschulden aus den Jahren 1794-98 zurückzuzahlen. Eine lange Reihe
von Mißernten kam hinzu, der Wein war nicht zu verkaufen, die Bürger konnten
ihre Steuern nicht zahlen, die Stadtkasse war leer und mußte neue Schulden machen.
Die Armen wurden ärmer, die Reichen reicher, eine soziale Kluft tat sich auf.
Dies mündete schließlich in den Unruhen von 1831 und 1848, die sich auch in Rüdesheim
auf dem Niederwald abspielten.
Dennoch ließen die Rüdesheimer den Kopf nicht hängen, sondern nützten alle Möglichkeiten
des anbrechenden technischen Zeitalters. 1815 gründete P. F. F. Dilthey die erste
von zahlreichen Weinhandlungen, deren große Weinlager dafür sorgten, daß die
Winzer nicht mehr Notverkäufe zu schlechten Preisen tätigen mußten. 1825 landete
das erste Dampfschiff und 1856 fuhr die erste Eisenbahn in Rüdesheim ein. Diese
neuen Verkehrsmittel trugen nicht nur den Rüdesheimer Wein hinaus in alle Welt,
sie brachten auch immer mehr Reisende, für deren Wohlbefinden eine große Zahl
behaglicher Gasthöfe und Weinstuben sorgte. Neben dem Weinhandel entstanden
auch Schaumweinkellereien und Weinbrennereien, deren Tradition heute noch fortgesetzt
wird.
Der zunehmende Wohlstand brauchte neue Arbeitskräfte, für die es in der Altstadt
zu eng wurde. Um 1830 ließ man deshalb den alten Stadtgraben zur Grabenstraße überwölben
und öffnete so den Zugang nach Osten hin für neue Wohnviertel. 1842 entstand
hier die erste Synagoge, 1862 ein Gotteshaus der evangelischen Kirchengemeinde.
Im gleichen Jahre brachte eine eigene Gasfabrik helleres Licht in die Stadt.
1888 läutete hier das erste Telefon und 1892 löste eine Wasserleitung die alten
Brunnen ab. 1899 wurde eine neue Volksschule feierlich eröffnet. 1902 verbesserte
ein großes Krankenhaus die Fürsorge, nachdem schon 1853 im alten Brömserhof ein
städtisches Heim für Arme und Alte eingerichtet worden war. Es ist schon erstaunlich,
mit welcher Umsicht und Tatkraft die Stadtväter innerhalb von 5O Jahren Rüdesheim
zu einer modernen Stadt umkrempelten.
Besondere Anforderungen stellte der Bau eines Nationaldenkmals auf
dem Niederwald in den Jahren 1877-83. Viele teure Investitionen waren
erforderlich, bis die
mächtige Statue der Germania zum neuen Anziehungspunkt für Touristen wurde,
die einst mit der romantischen Zahnradbahn hinauf dampften, heute mit einer
modernen
Kabinenseilbahn hinaufschweben.
Der 1. Weltkrieg brachte eine Zwangspause, doch danach dehnte sich
Rüdesheim
um weitere Straßenzüge aus. 1939 kam durch Eingemeindung das benachbarte Weindorf
Eibingen hinzu, das schon seit dem Mittelalter eng mit Rüdesheim verbunden war.
In Eibingen hatte vor mehr als 700 Jahren die Heilige Hildegard ein Kloster gegründet,
das nach der Zerstörung des Mutterklosters Ruppertsberg im 30jährigen Kriege
die Reliquien der großen Äbtissin bewahrte. Der kostbare Schrein ruht heute noch
an gleicher Stelle in der 1920 nach einem Brand neu erbauten Eibinger Pfarrkiche,
während oberhalb des Dorfes seit 1904 eine neue Benediktinerinnenabtei St. Hildegard
die geistigen und religiösen Traditionen pflegt.
Der 25. November 1944 wurde zum schwarzen Tag für Rüdesheim, als ein schwerer
Bombenangriff weite Teile der Stadt zerstörte und über 200 Tote forderte. Die ältesten
Gebäude der Altstadt blieben dabei verschont und nach einem zügigen Wiederaufbau
gewann Rüdesheim seinen alten, weinduftenden Zauber zurück. Seitdem kamen neue
Wohngebiete hinzu, 1953 die Siedlung Windeck, 1970 die Siedlung Trift und 1977
Rüdesheim-Ost. Die Einwohnerzahl ist dabei von einstmals 1500 Bürgern auf 6.500
Einwohner angewachsen.
Kommunalpolitisch wurde die ehemals kurmainzische und nassauische Amtsstadt
mit der Eingliederung nach Preußen 1867 Kreisstadt des Rheingau-Kreises. Als dieser
in seinen Grenzen seit fränkischer Zeit unveränderte Rheingau 1977 durch eine
Gebietsreform zum Rheingau- Taunus-Kreis erweitert wurde, siedelte die Kreisverwaltung
von Rüdesheim nach Bad Schwalbach über. Gleichzeitig wurden die vormals selbständigen
Gemeinden Assmannshausen, Aulhausen und Presberg nach Rüdesheim eingemeindet. |
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Fax: 06722 3485
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Rüdesheim
Rheinstrasse 18
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